Ihr bekommt von uns ja öfters Impressionen von der atemberaubenden Natur hier geliefert. Sensationell farbenprächtige Sonnenuntergänge und schöne Wälder sowie Olivenbäume, knorrige Eichen und beeindruckende Felsformationen prägen unseren Alltag. Sei es auf dem Pferderücken, auf Spaziergängen und Wanderungen, oder auch mal auf einem Roadtrip – wir bewundern die Schönheit Andalusiens täglich. Und teilen sie auch oft mit euch.

Heute sprechen wir mal über die Kehrseite der Medaille. Oder darüber, was wir auf den schönen Bildern möglichst «verschwinden lassen», bevor sie euch erreichen.  😉

Wir handhaben es mit dem Abfall auf unseren Fotos also ähnlich wie die Einheimischen hier: Aus den Augen, aus dem Sinn – Abfallentsorgung auf spanisch.

Zwei Anmerkungen vorweg:

1. Wir möchten betonen, dass es bei diesem Text in keinster Weise darum geht, unsere neue Heimat und deren Bewohner zu diffamieren. Im (vielleicht) etwas kleineren Rahmen spielt sich das Ganze ja leider in der Schweiz genauso ab. Es fällt einfach ins Auge und macht uns immer wieder nachdenklich… und weil Abfall ja ein allgegenwärtiges Thema ist, hier mal ein paar Worte und Erlebnisse dazu.

2. Die Bilder in diesem Blog sind alle auf einem einstündigen Ausflug in unserem einen Ausreitwald entstanden und zeigen nur einen winzigen Bruchteil davon, was hier so rumliegt. Reisst man seinen Blick einmal vom verlockenden Schauspiel des Sonnenuntergangs los und richtet ihn zu Boden, schaut das dann etwa so aus:

Abfallentsorgung auf spanisch - Knochen
Hier hat es beim Spazieren immer so «getötelet»… Den Grund fanden wir beim nächsten Ausritt dann heraus, als wir vom Sattel aus über die Mauer blicken konnten. Schlachtabfälle weit und breit…

Es ist ja nicht so, dass Andalusien abfalltechnisch hinter dem Mond lebt. Im Gegenteil! Schon bei unseren ersten Besuchen hier fielen die zahlreichen Entsorgungspunkte auf. Und auch das simple (also absolut machbare!) Mülltrennungsystem. In dieser Hinsicht haben uns die Spanier eigentlich sogar einiges voraus.

Kaum übersehbar, direkt an den Hauptstrassen und an vielen Kreuzungen finden sich Container für normalen Abfall, Papier/Karton, Plastik-/und andere Behältnisse, Glas und teilweise Altkleider. Super bequem und schnell per Auto oder zu Fuss am Quartierende erreichbar. Und dank den grossen offenen Containern auch sehr leicht händelbar. Spanien hat sein Abfallproblem also offensichtlich erkannt und bietet praktische Lösungen an.

Bei uns in der Urbanisation wird der Müll gar täglich 2x (!) direkt vor der Haustür abgeholt. Sackgebühr gibt es hier nicht, und auch die Mülltrennung ist nicht ganz so pedantisch gehandhabt wie in unserer alten Heimat; so muss Papier nicht gebündelt und auch nicht von Karton getrennt abgegeben werden. Pet- und Tetrapackungen werden erst in der Weiterverarbeitung getrennt. Genauso verfährt es sich beim Glas. Einzig bei Altmetall/Aluminium haben wir noch immer nicht rausgefunden, wo es abzugeben ist.

Soweit, so schön und gut.

Verlässt man nun die Strassen der Stadt oder seines Quartieres, wähnt man sich auf einer Müllhalde. Es ist unfassbar, was in der Natur auf wenigen Quadratmetern zu finden ist. Und vor allem auch, wo man es findet! Es scheint, dass manche Bewohner unserer Stadt wirklich keine Mühe scheuen, ihren Unrat aus den Augen und aus dem Sinn zu bekommen. Kein Weg ist zu weit, keine Strasse zu holprig und kein Waldstück zu steil, um seinen Ballast (bevorzugt Bauschutt, Flaschen, Kinderspielzeug, Windeln, Konservendosen, Möbelstücke, Autoteile und Schlachtabfälle) loszuwerden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Einzig die körperliche Fitness müsste eine Rolle spielen – oder wie bringt man sonst einen Berg Bachsteine und Kacheln auf ein unbefahrbares Waldstück?

Abfallentsorgung auf spanisch - Kacheln
Hier kam offenbar ein spanischer Yeti-Ninja vorbei und hat den Bauschutt mitten in den unzugänglichen Wald geschleppt. Und zum Leidwesen der Motocrossfans und Biker mitten auf deren Pfad abgeladen.
Abfallentsorgung auf spanisch - Kacheln-Pfad
Aber halb so schlimm… Piste freigeräumt und weitergefahren.

Oder warum deponiert man eine komplett gefüllte Windel direkt am beliebten Spazierweg auf einem Steinschlagschutznetz, damit es auch schön sichtbar ist und bleibt, da sie dort keinesfalls verrottet?

Abfallentsorgung auf spanisch - Windel
An dieser Windel erfreuen wir uns seit Monaten. Komisch, denn bislang dachten wir eigentlich, dass Mist recht schnell verwest…

Wie kann es sein, dass eine bei den Müllcontainern zur Entsorgung deponierte Toilettenschüssel wenige Tage später ein paar Meter weiter im Gestrüpp liegt? Warum macht man sich die Mühe, leere Bierflaschen ins Auto zu laden, dann aber unterwegs auf der Waldstrasse zu stoppen und sie in den Wald zu werfen? Worin besteht der Unterschied, in der Stadt zu stoppen oder auf der Waldstrasse? Geht es da schneller, praktischer? Warum karrt man seinen Müllsack in den Wald, anstatt zum öffentlichen, gebührenfreien(!) Container, der erst noch näher liegt?

Abfallentsorgung auf spanisch - WC
Die Toilettenschüssel wurde bei den Containern hingestellt und war dem Müllmann offenbar zu schwer für in den Laster. Also wurde sie einfach einige Meter weiter geschleppt und im Gebüsch entsorgt.

Abfallentsorgung auf spanisch - WC-nah

Handum werden die städtischen Müllcontainer dafür gerne und oftmals zur Entsorgung lebender nicht mehr erwünschter Tiere verwendet. So einen grausigen Fund machten wir bislang zum Glück selber noch nicht, aber die Tierschutzorganisationen berichten alle paar Tage darüber.

Bei solchen Gelegenheiten entstehen bei uns einfach Fragen… ich gäbe was dafür, einmal einen Blick in so einen Kopf werfen zu können!

Abfallentsorgung auf spanisch - Schuttberg

Seit Juli bezahlt man in Spanien per Gesetz nun auch die 5 Cent für ein Plastiksäckli beim Einkauf. Ob sich dadurch an den Müll- und Hausratbergen im Wald und am Strand irgendwas ändern wird…? Wir sind gespannt.

 

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