Nachdem wir nun ein Jahr lang mit eitel Sonnenschein genervt haben, hier mal die Kehrseite der Medaille. Nämlich die Dinge, um die uns wohl keiner beneidet.

Ja, wir waren im Dezember im T-Shirt bei strahlendem Wetter mit den Pferden spazieren – sogar mehrfach! Dies auch im November und all den Monaten davor. Und wir freuen uns immer, solche Impressionen mit euch zu teilen, die ihr vielleicht grad im Schnee oder Nebel hockt…
So kann schon der Eindruck entstehen, dass hier die Sonne immer scheint.

Gefühlt tut sie das auch tatsächlich – fast. In der Realität aber natürlich nicht nur. Wenn auch im Jahr 2017 anscheinend zu oft. Das vergangene Jahr war gemäss den Spaniern das trockenste seit vielen Jahren – und dies mit Folgen: Heu und Stroh sind Mangelware und werden nicht mehr, oder nur zu horrenden Preisen verkauft. Seit Dezember läuft hier die Erdbeerernte 2018, anscheinend zwei Monate früher als normal. Es ist zwar super, im Januar regionale, frische und absolut leckere Erdbeeren kosten zu können. Aber es gibt einem schon auch zu denken. Zum Beispiel wenn man liest, dass Andalusien in 50 Jahren Wüste sein könnte.

Was wir nebel- und nässegepeinigten Schweizer Auswanderer jetzt so cool finden, könnte bald schon gravierende Folgen haben für alle, die hier leben und schon immer lebten. Schon auch ein beängstigender Gedanke…

Aber wir wollen hier ja nicht schwarzmalen. Sondern eigentlich darüber erzählen, wie es an den nicht ganz so T-Shirt-mässigen Tagen im Januar hier so aussieht – denn das haben wir euch bislang eher vorenthalten.  🙂

Winter in Andalusien
Wer genau schaut, findet ihn: Der Ronda-Schnee 2018.

Draussen ist es seit Tagen weitgehend bewölkt und teils regnerisch, abwechselnd mit einigen Schneeflocken – es kommen «schönste» Erinnerungen an unsere alte Heimat auf. So sitzen wir jetzt im Büro. Patric in Thermokleidern und Winterjacke (ausnahmsweise ohne Wollmütze). Ich eingewickelt in meine zwei Fleecedecken. Ein Elektroofen ist zwar an, aber von gemütlich kann keine Rede sein. Im Wohnzimmer schauen wir seit Wochen nur noch kurz vorbei und bestaunen die leider noch leere Wand, wo Ende Januar nun hoffentlich unser neuer Schwedenofen Platz beziehen wird. Aufs Sofa setzt sich freiwillig keiner mehr – man könnte bei inzwischen erfrischenden 9 Grad sonst dort für die nächsten paar Wochen festfrieren.

Ins Bett haben wir nun Wolldecken eingebettet, die Matratze siegte zuletzt regelmässig gegen unsere Körperwärme, und man verflucht jeden Zentimeter, den man sich aus seiner halbwegs aufgewärmten Liegezone rausbewegt.

Ach, und Wellness per Schaumbad ist auch nicht. Das halbwegs warme Wasser kühlt in der eisigen (eisernen) Badewanne nämlich schneller ab, als es diese aufzuwärmen vermag. Eine interessante Erfahrung! Darauf muss man erstmal kommen.

Unser bevorzugter Aufenthaltsort ist die Küche, genauer: der im Vorfeld ach so ungeliebte «Heiz-Tötztisch», wie wir das Ungetüm liebevoll nennen, welches aus keinem andalusischen Haushalt wegzudenken ist. So sicher wir beim Einzug waren, dass das Teil schnellstmöglich in den Lagerraum ausziehen muss, so sehr lieben wir es nun. Praktisch, dass er auch noch direkt neben dem Kamin steht.

Winter in Andalusien
Neuer bester Freund: Der Heiz-Tötztisch. Unter dem dekorativen Tischtuch, welches man sich über die Beine legt, befindet sich eine elektrische Heizung.

Mit geschicktem kombiniertem Einsatz von Kaminfeuer und Heiz-Tötztisch bewegen wir uns in der Küche nun täglich so zwischen 14 und 18 Grad. Also ganz zum Aushalten (Patric in Winterjacke, ich mit Schal und Kaputzenpulli, plus beide in dicken gefütterten Berghütten-Socken vom Chinesen).

Wer mich schon länger kennt, weiss, dass ich in einem Raum schon bei 20 Grad friere. Lasst also eurer Phantasie freien Lauf, wie wir uns seit ein paar Wochen hier fühlen.

Wenn nicht der wundervolle Ofen in Aussicht wäre, würde ich wohl zum Monster. Aber so gehts. Think positive, yeah! Vorfreude ist die schönste Freude! Wir halten uns tapfer.

Im Wissen um die Natur, die das nasskalte Wetter dringend nötig hat, wollen wir uns nun aber nicht beschweren. Sondern einfach ein kleines Trostpflaster für Nebelgeplagte liefern.  🙂 😀

Winter in Andalusien
Wir jammern auf hohem Niveau… Schafhirten sind derzeit wohl auch nicht zu beneiden. 🙂

Könnte ich im Haus etwas verändern, so wäre es die Küche. Mal abgesehen davon, dass ein kleines Facelifting an sich schon nicht schaden könnte, steckt sie auch voller heimtückischer Ecken, wo man sich den Kopf blutig schlägt. Die Schränke und Schubladen sind winzig (wie alles in Spanien, wie wir immer wieder amüsiert feststellen), die Anrichteflächen einfach zu klein. Man kann kein Gemüse schneiden, ohne dass die Hälfte davon auf dem Boden landet. Die Pfannen übrigens – genau: winzig. Es ist ein Rätsel, wie unsere Vermieterin unter diesen Umständen drei Kinder grossziehen konnte.

Aus dem Wasserhahn kommt nach einer Ewigkeit und literweise verschwendetem Wasser maximal lauwarmes Wasser, also haben wir das aufgegeben und spülen kalt. Die eingefrorenen Hände kann man sich anschliessend 2 Meter weiter am Kaminfeuer ja wieder wärmen. Abwaschen benötigt also Ausdauer und auch der Backofen ist definitiv nichts für Ungeduldige. Für eine 10-Minuten-Fertigpizza muss man schon knapp eine Stunde einberechnen, mit Vorheizen und allem.

Ich bin übrigens immer noch «in Behandlung» wegen des Jochbeinbruchs! Doktor Miesepeter macht immer aufs neue Dates mit mir, um gewichtig an meinem Kopf herumzutasten und -drehen, und mir dann einen weiteren Termin zu verpassen. So auch kürzlich… wir besuchten ihn für den vermeintlich letzten Checkup dieses unerfreulichen Kapitels, und er studierte meinen Schädel noch eingehender als die Male davor. Dann sprach er lange mit seinem Assistenten und teilte uns dann mit, dass wir nochmals (per Computertomograph) Bilder meines Innenlebens machen und dann wiederkommen sollen. Für eine abschliessende Kontrolle – etwa die drölfhundertste. Also zwei weitere Ausflüge nach Benalmadena.

Danebst geht hier alles unverändert seinen geregelten Gang: die Zeit vergeht im Fluge und nach Hause drängt es uns trotz Kälte auch noch nicht. Gut möglich aber, dass wir uns demnächst für ein-zwei Tage in einem der Wellnesstempel an der Küste ein wenig aufwärmen gehen. In dem Sinne: Im Westen alles gut – hoffentlich bei euch auch!

 

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Hans StahelMartinaUdo Lutz Burkhardt Recent comment authors
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Hallo Martina, wir haben uns köstlich amüsiert über Deinen Bericht. Er ist äußerst lesenswert und Margarita hatte einige male laut gelacht, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Leider sind in Spanien viele Häuser so und niemand versucht es zu ändern weil es ja bald wieder warm wird. Wer hat Euch denn so ein Haus vermittelt ? Auf jeden Fall werden viele Deinen Bericht lieben.
Herzliche Grüße von Udo und Margarita

Hans Stahel

Geniesst die Vorfreude auf den Ofen und dann auf den Sommer.