Die Häuser hier in Südspanien sind definitiv nicht für den Winter gemacht. Im Sommer sind sie angenehm kühl – und im Winter unangenehm kalt. Denn der Winter hier oben in den Bergen kann ganz schön kalt sein – nur 5 Grad am Tag und Minusgrade in der Nacht. In unserem ersten Winter haben wir viel gefroren. Diesen Winter wollen wir nun endlich warm haben in unserem Haus!

Wir haben zwar eine Zentralheizung mit Gas, jedoch benötigen wir so viel Gas, um das Haus auf kühle 18 Grad zu heizen, dass die wöchentliche Gaslieferung nicht ausreicht, um uns mit genügend Gasflaschen zu versorgen. Zudem geht das ganz schön ins Geld…

Lange haben wir uns überlegt, wie wir die unbefriedigende Heizsituation verbessern können. Viel Geld investieren wollen wir ja auch nicht, da das Haus nur gemietet ist. Und die Vermieterin will nichts machen – wir hätten ja schon eine Heizung und einen offenen Kamin in der Küche.  Dieser ist zwar schön anzuschauen und verleiht dem Haus einen heimeligen (Rauch-)Geruch. Aber um zu heizen, nützt der gar nichts.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als einen Schwedenofen in das Wohnzimmer zu stellen, wenn wir das Haus auf eine angenehme Temperatur heizen wollen. Unsere Vermieterin lässt uns freie Hand – und würde an unserer Stelle einen Pelletofen einbauen. Denn diese Idee hatte sie auch einmal.

Wir aber bevorzugen einen Holzofen, denn dessen  Feuer ist einfach schöner. Brennholz bekommt man hier sehr einfach. Es ist allerdings oft noch sehr feucht – das haben wir im letzten Winter schon festgestellt.

Mittlerweile ist es Herbst und die Temperatur beginnt vor allem nachts zu sinken. Zeit also, um uns um unser Ofen-Projekt zu kümmern. Wir gehen in verschiedene Ferreterías, schauen dort die ausgestellten Kaminöfen an und nehmen Prospekte mit. Sogar bis nach Antequera fahren wir, da es dort eine Ferretería mit einer grossen Ofenausstellung gibt. Zumindest wurde uns das so gesagt. Tatsächlich aber werden wir in den Lagerraum geführt, wo wir etwa fünf Öfen anschauen können, die unseren Kriterien entsprechen.

Das Wichtigste für uns ist allerdings, den Ofen bei jemandem zu kaufen, der den Ofen und vor allem auch das Kaminrohr bei uns zuhause installiert. So haben wir nur einen Ansprechpartner und müssen nicht noch verschiedene spanische Handwerker koordinieren.

Dieses Kriterium schränkt uns bei der Lieferantenwahl sehr ein. So bleibt eigentlich nur ein Lieferant in Ronda übrig. Das passt uns gut – ein lokaler Handwerker ist in der Nähe, sollte es Probleme geben.

Wir wissen nun genau, was wir wollen und gehen Mitte November in die Ferretería in Ronda. Dort erklären wir dem Ladeninhaber, welchen Kaminofen wir gerne hätten und dass wir den Ofen und die Ofenrohre installiert haben wollen. Leider hat aber gerade niemand Zeit, um uns eine Offerte zu rechnen. Wir werden vertröstet und man wird uns dann anrufen. Genau – wie erwartet ruft niemand an.

Eine Woche später gehen wir wieder hin und fragen nach. Ganz gestresst kommt der liebe Herr aus dem Büro und erklärt uns in gebückter Haltung, dass er einfach sooo viel zu tun hat und deshalb noch nicht dazu gekommen ist, unsere Offerte zu rechnen. Aber er wird es machen und uns anrufen. Da sind wir ja mal gespannt…

Natürlich passiert wieder über eine ganze Woche nichts. Wir gehen also nochmals vorbei. Der Ofenmensch kommt wieder ganz überarbeitet aus dem Büro. Diese Woche könnte er vorbeikommen, um alles anzuschauen. Ob und wann wir denn zuhause sind. Morgen und übermorgen sind wir da – er kann einfach kommen.

Er ist zuverlässig und ruft uns kurz vor Mittag an und fragt, ob er heute vorbeikommen könne. Ja klar… wie gesagt, wir sind zuhause. 10 Minuten später steht er mit einem Mitarbeiter bei uns vor dem Haus. Er schaut sich alles von innen und aussen an und bespricht sich mit seinem Mitarbeiter. Beim Hinausgehen sagt er, das die Offerte morgen bereit ist und ich sie abholen kann. Er warnt mich aber auch: Insbesondere die Lieferung der Ofenrohre könne 20 bis 25 Tage gehen. Die Fabrik sei überlastet.

Gesagt – getan. Doch leider ist unser Ofenmensch nicht im Laden. Die Offerte liegt jedoch bereit. Wir studieren die Offerte noch im Laden, um sie gleich zu besprechen. Mir gefallen die offerierten metallfarbigen Ofenrohre nicht. Ich frage, ob wir nicht schwarze Rohre bekommen können. Der Herr an der Theke brummt vor sich hin, dass er es unserem Berater ausrichten wird – und dass er sich dann telefonisch bei uns melden wird.

Wieder vergeht fast ein Woche und nichts passiert. Als wir gerade aus dem Haus wollen, um nochmals bei unserem lieben Ofenmenschen nachzufragen, ruft er an und sagt, er würde gerne heute Nachmittag nochmals vorbeikommen, um sich alles anzusehen. Okay, er kann gerne kommen. Es geht ja aber nur um die Farbe der Ofenrohre…

Er und sein Mitarbeiter sind ein paar Minuten später schon da und schauen sich nochmals alles an. Beim verabschieden sagt Emiliano, so heisst unser Ofenmensch, dass er sich telefonisch melden wird. Wir kennen das jetzt ja…

Eine knappe Woche später ruft er an und sagt, dass er mit dem Lieferanten gesprochen hat und dass es ohne Aufpreis möglich ist, die Ofenrohre in schwarz zu haben. Super, jetzt kann er den Ofen und die Rohre ja endlich bestellen. 😃

Nach nur wenigen Tagen bekomme ich einen Telefonanruf von Emiliano. Sind die Ofenrohre wirklich so schnell da? Nein, er sagt, dass der Ofen heute gekommen ist. Aber er muss dringend mit mir sprechen – denn es gibt ein Problem mit dem Ofen. 😬 Ich soll so schnell wie möglich vorbeikommen.

Also gehe ich gleich am Nachmittag bei Ladenöffnung vorbei. Emiliano ist nicht da…aber der Ofen steht im Verkaufslokal.

Endlich haben wir warm in unserem Haus - Ofen im Laden
Unser Ofen wird nach wenigen Tagen geliefert und wartet bei Emiliano im Verkaufsraum auf den Einbau

Rund 10 Minuten später kommt Emiliano und erklärt mir das Problem. Der Anschluss für die Ofenrohre ist grösser als im Prospekt angegeben. Er muss also die bestellten Ofenrohre wieder stornieren und neue bestellen. Okay, da bleibt uns ja nichts anderes übrig. Die einzigen beiden Haken dabei: erstens wird es teuerer wegen den grösseren Ofenrohre und zweitens geht es länger, bis alles Material da ist und der Ofen in unserem Haus installiert werden kann. Warme Weihnachten vor unserem neuen Ofen wird wohl nichts. Emiliano ist vorsichtig mit einer Terminnennung… es wird Januar, meint er. Dann bleibt uns nichts weiter übrig, als noch ein paar Wochen länger zu frieren in unserem Haus.

Endlich kommt Ende Januar der lange ersehnte Telefonanruf: Der Ofen und die Ofenrohre sind da! Emiliano sagt mir, dass er am Mittwochmorgen (also in 5 Tagen) kommt und den Ofen einbaut. Perfekt! Klingt super! Ich frage ihn noch, um welche Zeit er am Morgen dann vorbeikommt – 8 Uhr oder 9 Uhr? Nein, nein, meint er. Es wird zwischen 10 und halb 11 Uhr. Schliesslich muss er ja das Material zuerst aufladen. Okay, dann halt erst etwas später. Ich bin gespannt, ob er das an einem Tag machen kann, wenn er erst so spät anfängt und von 14 bis 17 Uhr Siesta macht. «Hasta miercoles», sage ich und will aufhängen. Ich höre ihn gerade noch sagen, ja bis Mittwoch – aber nur wenn es nicht regnet. Was? Habe ich das jetzt richtig verstanden? Er wiederholt es und erklärt mir, dass er nicht arbeiten kann, wenn es regnet. Okay… wird wohl so sein…

Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Ich schaue in der App auf meinem Handy das Wetter an für Mittwoch: REGEN!!!

Mittwochmorgen, kurz vor 10 Uhr: Es ist leicht bewölkt, die Sonne kommt nicht ganz durch die Wolkendecke. Und am Nachmittag soll es zu 40% Regnen. Wir sind gespannt, ob Emiliano heute kommt oder nicht. Dann, kurz nach 10 Uhr: Das Telefon klingelt. Es ist Emiliano. Er kommt! 😃 Wow, das hätten wir jetzt wirklich nicht gedacht!

Etwas nach halb 11 Uhr steht er mit seinem Handwerker vor unserer Türe. Sie laden die Ofenrohre und das andere Material aus. Den Ofen stellen sie schon mal ins Wohnzimmer. Irgendwie sehen sie jetzt schon erschöpft aus. Okay, verständlich, der Ofen ist ja auch 172 Kilogramm schwer.

Zuerst wird vermessen, wo genau das Ofenrohr durch die Wand muss. Dann wird ein Loch in die Wand gebohrt und mit Hammer und Meissel ein grosses Loch in die Wand geschlagen. Nach kurzer Zeit schon stecken sie die ersten Ofenrohre ineinander und das Rohr geht durch die Wand. Und dann ist Zeit für die Siesta. 😃

Um 16 Uhr stehen die beiden Handwerker wieder da und arbeiten fleissig weiter. Das Rohr wird aussen bis übers Dach hochgezogen. Dann wird der Ofen richtig platziert und das Loch in der Wand rund um das Ofenrohr zugemauert. Um 19 Uhr sind sie schon fertig und der Ofen ist betriebsbereit.

Wir haben 11 Grad im Wohnzimmer. Und jetzt endlich können wir den Ofen das erste Mal einheizen und das Wohnzimmer wieder auf eine angenehme Temperatur bringen. So dass man – wie es der Name schon sagt – auch darin wohnen kann. Gespannt schauen wir auf das Thermometer. Es klettert langsam nach oben. Heute schaffen wir es bis 18 Grad. 😃 Das ist doch perfekt für die Einweihung unseres neuen Kaminofens!

Endlich haben wir warm in unserem Haus - fertig eingebaut
Endlich – das erste Einfeuern unseres neuen Ofens!

In den nächsten Tagen steigern wir die Temperatur im Wohnzimmer langsam. Klar – über Nacht kühlt es immer wieder auf 16 Grad ab. Aber innert kurzer Zeit bringen wir die Temperatur wieder auf 20 Grad. So lässt es sich doch leben! 😃 Endlich haben wir warm in unserem Haus…

 

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2 Kommentare auf "Endlich haben wir warm in unserem Haus"

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Hans Stahel

das ist doch super. Wie schön in der warmen Stube zu sitzen.

Alain
Alain
I like a lot the story… 🙂 And I understand exactly what was the (so long) way to get the wood stove installed ! We had exactly the same problem, not for a wood stove, but to have (only) the right power of electricity to get the underfloor heating of our house in Ronda working. We had 6 Amperes, enough for the air conditioning, but we needed 18 Amperes to have the underfloor heating machine working without to get the electric fuses blowing up… :). The Electricity company, the mean one in Spain…, the Electricity Distributor company (a subdivision of… weiterlesen »