Wir sind jetzt schon ein ganzes Jahr hier in unserer neuen Heimat in Ronda. Zeit, für einen kleinen Rückblick aufs Jahr 2017.

Auswanderung

Wir hätten nie gedacht, dass das Administrative hier in Spanien wirklich so lange geht, wie wir es erlebt haben. Zwar haben wir mittlerweile fast alles erledigt, doch auf unseren spanischen Führerschein warten wir immer noch. Die Anmeldung bei der Stadtverwaltung in Ronda ging eigentlich sehr schnell. Denn die Bestätigung, dass wir wirklich in Ronda wohnen, brauchten wir dringend für die Zollabfertigung unseres Hausrates, welcher mit einem Umzugslastwagen nach Spanien kam.

Für die Aufenthaltsbewilligung brauchte es mehrere Anläufe – denn beim ersten Mal wurden wir von der Polizei mit der Begründung wieder nach Hause geschickt, dass wir eine Aufenthaltsbewilligung gar nicht brauchen. Aber wir brauchten sie, denn dieses Mal wollte der Zoll genau dieses Papier sehen, damit unser Auto als Umzugsgut überhaupt nach Spanien importiert werden konnte.

Beim TÜV in Spanien mussten wir mit unserem Auto zwei Mal vorbei, da sie beim ersten Mal vergessen hatten, etwas nachzuschauen. Am längsten aber geht es, bis man den Schweizer Führerschein in einen spanischen getauscht hat. Nach fünf Monaten warten (also ohne Führerschein, denn diesen mussten wir abgeben), bekamen wir eine provisorische Fahrerlaubnis für Spanien. Der definitive spanische Führerschein sollte dann Mitte Januar 2018 kommen. Tja, wir sind gespannt… 😃

Natur

Immer aufs neue begeistert und verblüfft uns die Natur hier im Süden! Die uns vertrauten Jahreszeiten gehen hier teilweise fliessend ineinander über; angefangen bei den 15 Bäumen in unserem Garten, die schön nacheinander, übers ganze Jahr verteilt ihr Blätterkleid wechseln. Das ist super, weil man dadurch nicht aus dem Laubrech-Rhythmus kommt! 😃

Der Winter mit seinen gelegentlichen Regentagen ist für die Natur der Startschuss zum Neubeginn. Während in der Schweiz nun vielerorts Schnee und Eis liegen und die Natur fast spürbar innehält, spriesst hier das Gras aus allen Winkeln, und Andalusien wird von Tag zu Tag grüner. Jeden Monat blüht hier irgendwas! Aktuell sind es eine Art Mini-Schwertlilien, die überall spriessen. Im Februar läuten die Mandelbäume mit ihrem weissen Kleid den Farbenreigen ein, es folgen die pinkfarbenen Bäume, die hier fast in allen Gärten und Parks zu stehen scheinen. Getreide hat bis März–April schon eine stattliche Höhe und wird dann von wunderschönem feuerrotem Mohn gesäumt.

Im Laufe des Sommers werden die Weizenfelder erst golden, und im Herbst durch das Umpflügen braun. So verändert sich die Landschaft hier farblich alle paar Wochen. Ein besonderes farbliches Highlight brachte der Spätsommer: die uns seit Februar bestens vertrauten riesigen «Silberdisteln» am Wegesrand erstrahlten in intensivblau mit dem prächtigen Spätsommerhimmel um die Wette. Und dies vor dem gelb-goldenen Hintergrund der Stoppelfelder…

Jahresrückblick 2017 Disteln

Zitrusfrüchte wachsen anscheinend fast pausenlos an ihren Bäumen; unser Limonero zum Beispiel hat von 2017 jetzt dann die ersten Zitronen reif, es blüht aber bereits ein Zweig für die nächste Lieferung. 😃 Überhaupt scheinen die Bäume hier grosszügigere Zyklen zu haben… Die Blütephasen dauern länger, die Früchte hängen länger reif, und im Herbst wird das Blätterkleid gemütlich erstmal leuchtend gelb gefärbt (September/Oktober) um dann im in der Schweiz ja eher farblos-tristen November zu einem wahren Farbenspektakel in Orange und Goldbraun überzugehen. Der November 2017 hier in Andalusien war definitiv und diskussionslos der bunteste, den wir je hatten!

Menschen

Wir wurden hier sehr herzlich von den Spaniern empfangen. Die Leute waren äusserst geduldig mit uns – auch wenn wir kein Spanisch sprachen. So haben wir am Anfang mit Händen und Füssen versucht, uns gegenseitig zu verstehen. Denn die allermeisten Spanier hier sprechen kein Englisch. Mal wurde im Taschenrechner oder im Handy eine Zahl eingetippt, wenn wir etwas bezahlen mussten. Oder dann war per Zufall am Schalter daneben jemand, der doch etwas Englisch konnte und dolmetschte. Natürlich haben wir uns auch immer gut vorbereitet und mit Google Translate ein paar Sätze schon im Voraus übersetzt.

Im Stall, wo unsere Pferde wohnen, haben wir sehr nette und freundliche Leute um uns herum. Natürlich in erster Linie die Andalusier, bei denen es immer mal wieder ein spontanes Fest gibt im Stall. Beim gemütlichen Zusammensein wird auch gesungen und getanzt – da sind wir als Ausländer aber erst in der Zuschauer-Rolle. 😃 Nicht nur unser Spanisch können wir im Stall verbessern, sondern auch unser Englisch und Französisch. Denn eine Engländerin, eine Litauerin, eine Brasilianerin und ein Belgier haben ihre Pferde ebenfalls dort eingestellt.

Wir haben sehr nette spanische Nachbarn, bei denen wir auch schon zum BBQ eingeladen wurden. Und unsere deutschen Nachbarn Udo und Margrit unterstützen uns immer wieder mit ihren Orts- und Spanisch-Kenntnissen, sowie guten Tipps und Tricks hier in diesem Land. Mit ihnen und anderen deutschen Auswanderern können wir unser Hochdeutsch à jour halten. Und wollen wir mal wieder Schwiizerdüütsch sprechen, treffen wir den Berneroberländer Michu.

Wetter

Wir hatten noch nie in unserem Leben so viel Sonne und so wenig Regen. Eigentlich schien fast jeden Tag die Sonne. Natürlich gab es auch Tage, an denen es bewölkt war oder geregnet hat. Aber immer nur ein paar wenige Tage, und dann kam die Sonne wieder. Für uns fühlte es sich an wie in der Schweiz – einfach umgekehrt 😃

Schon früh im Frühling konnten wir nur mit dem T-Shirt nach draussen. Sowohl im Frühling wie auch im Herbst war es meistens zwischen 20 und 30 Grad warm. Perfekte Temperaturen also. Im Sommer hatten wir es hier aussergewöhnlich heiss. Schon früh kletterten die Temperaturen auf fast 40 Grad. Dann gab es eine «Abkühlung» auf rund 30 bis 35 Grad. Und dann kam nochmals eine Hitzewelle mit wiederum 40 Grad. Zugegeben, 40 Grad sind ganz schön heiss. Aber man muss sich das Leben entsprechend einrichten und während der heissesten Zeit des Tages im kühlen Haus bleiben. Dann hält man es wirklich gut aus im sonnigen Süden.

Der Winter ist hier zugegebenermassen nicht wirklich toll. Es ist kühl (zwischen 10 und 15 Grad tagsüber) und die Regentage häufen sich. Naja, nicht falsch verstehen… gerade jetzt haben wir 4 Regentage – nach wochenlangem Sonnenschein. Und dann soll auch schon wieder die Sonne scheinen. 😃

Im Januar hatten wir über Nacht 20cm Neuschnee! Das war wirklich etwas Aussergewöhnliches. Alles scheint stillzustehen, und die Strassen sind autoleer. Aber überall sieht man Kinder schlitteln.

Jahresrückblick 2017 Schneepflug
Schneepflug von Ronda

Eindrücke

In diesem Jahr haben wir auch ganz schön viel erlebt. Neben dem Kennenlernen unserer neuen Heimat und unseren Ausflügen gab es auch ein paar Dinge, die wir nicht mehr erleben möchten. So haben wir anfangs März mit dem Kaminbrand unser Haus fast abgefackelt. Oder dann der Knochenbruch von Martina im April. Zwei sehr traurige Momente erlebten wir im Juni und im November, als zuerst Minou an chronischem Nierenversagen und dann Ronja an einem hartnäckigen Tumor in der Nase gestorben sind. Die einen Tiere gehen, die anderen kommen – im Herbst sind 7 klitzekleine Schildkrötenbabys aus ihren Eiern geschlüpft. Und kurz darauf hat uns unsere Vermieterin noch fünf weitere 2- und 3-jährige Schildkröten gebracht.

Jahresrückblick 2017 Schildkröte
Frisch geschlüpft

Faszinierend sind gewisse Gesetze und deren Auslegung und Handhabung. So hatten wir kürzlich einen interessanten Einblick ins Thema Baurecht und -bewilligungen.

Ausblick

Was wäre ein Jahresrückblick ohne ein Ausblick aufs neue Jahr?

Wir sind gespannt, was 2018 für uns bereit hält. Fest stehen der eine oder andere Schweiz-Besuch, oder umgekehrt, angekündigte Gäste aus unserer Heimat. Ein heiss ersehntes Highlight wird der Januar bringen: der Einbau unseres Ofens, und damit hoffentlich das Ende der Eiszeit in unseren vier Wänden! Wir zählen die Tage…

Wahrscheinlich werden auch wieder samtpfotene Mitbewohner bei uns einziehen – ohne sie ist ein Daheim einfach kein Daheim. Wir werden – fingers crossed – mehr Zeit ins Spanisch investieren und hoffentlich noch mehr von Andalusien und Spanien überhaupt sehen. Fest steht: langweilig wird es uns nicht, und die Zeit vergeht im Eilzugstempo!

 

Wir wünschen euch einen guten Start ins neue Jahr und viel Erfolg und Zufriedenheit im 2018!

Mit besten Wünschen aus Ronda
Patric & Martina

 

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