Ich glaube, dass die meisten Menschen entweder eher Katzen- oder eher Hunden zugetan sind (Ausnahmen bestätigen die Regel). Obwohl ich mit einer sehr liebenswerten Katze aufgewachsen bin und zu ihr auch eine gute Freundschaft pflegte, war ich in meiner Jugend definitiv den Hunden näher als den Katzen.

Vierbeiniger-Begleiter-Ronja_01_HELMA048 Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 2: Ronja
(Bild: www.helma-fotos.ch)

Ein spezieller Kater hat dies dann innerhalb einer Stunde komplett umgedreht und ich entdeckte meine Liebe und Leidenschaft für Katzen. Hunde mag ich immer noch; zum Fremdknuddeln, Fremd-jöö-Finden und Sich-fremd-Freuen sind sie super – aber für mich selber möchte ich eher keinen mehr… Lieber noch die eine oder andere zusätzliche Katze, wenn schon.   🙂

Besagte Begegnung mit dem Katzenmann festigte in mir den Wunsch, selber Katzen zu halten. Da ich in einer Mietwohnung lebte und nur Wohnungskatzen halten konnte, war es für mich absolut kein Thema, eine Bauernhofkatze in eine Vierzimmerwohnung zu sperren. So mussten es zwei Katzen aus dem Tierheim sein, welche nur an Wohnungshaltung vermittelt wurden.

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Nach tagelangem Anzeigenlesen wurde ich fündig – ein Tierheim suchte für ein jugendliches Geschwisterpaar einen liebevollen Platz in einem ruhigen Haushalt. Die beiden hatten in ihrem ersten Lebensjahr keine guten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Sie gingen in den ersten Tagen im Tierheim alle Wände hoch, wenn jemand ihren Raum betrat. Es dauerte vier Tage, bzw. zwei Wochen, bis die Betreuer die beiden verstörten Fellnasen überhaupt berühren konnten.

Unsere erste Begegnung fand im Aussengehege des Tierheims statt. Zwei getigerte Jungkatzen lagen reglos da und starrten uns mit grossen Augen skeptisch an. Ich fühlte mich irgendwie geröngt und analysiert, aber das sollte mir in den kommenden Jahren noch öfters so gehen.  😉

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Unübersehbar: Wurfgeschwister (vorne Zorro, hinten Ronja)

Sie sahen sich zum Verwechseln ähnlich, und wir mochten die beiden irgendwie; die Betreuer uns offenbar auch – und so durfte ich die Geschwister in der kommenden Woche abholen. Die zwei Sorgenkinder waren den Pflegern ein besonderes Anliegen, das merkte man, und entsprechend schweren Herzens gaben sie uns Ronja und Zorro in Obhut.

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Wir sassen im Katzenzimmer, die Transportboxen bereit, und die Betreuerin überschüttete mich mit guten Ratschlägen und der Bitte, geduldig zu sein, wegen des Traumas, welches hinter den beiden lag. Der Abschied fiel ihr sichtlich schwer. Während wir so dasassen, kam Zorro zögernd in unsere Nähe und leckte vorsichtig meine Hand ab.

Man konnte den Stein, welcher der Frau vom Herzen fiel, förmlich zu Boden poltern hören. Sie wurde plötzlich ganz beschwingt und setzte die beiden Tiger in die Transportboxen. Stolz und voller Vorfreude fuhr ich die beiden in ihr neues Zuhause. 14 Jahre ist das her!   🙂

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Ronja und Zorro verkrochen sich erstmal, kamen aber am nächsten Tag nach kurzer «Absprache» aus ihren Verstecken gleichzeitig auf mich zu und begrüssten mich. Ich durfte sie streicheln – beide. Das Eis war gebrochen – und es war der Beginn einer langen, wunderschönen Freundschaft.

Ronja fällt weniger durch verrückte Taten und Abenteuer auf, als Minou es tat. Man muss sie erleben. Ihrer Persönlichkeit kann man sich kaum entziehen – sie ist definitiv allerbeste Werbung für Katzen! Eine richtige Traumkatze auf der ganzen Linie.

In ihrer Jugend war sie sehr verspielt. Und sehr schnell und geschickt! Bei Ronja ging immer alles elegant und katzenhaft ab, während es bei Zorro – im Gegensatz zu Ronja – bei aller Eleganz auch einen Touch Tolpatschigkeit hatte…   🙂

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Zorro – der grosse Bruder

Zorro war mein Schmusekater, Ronja eher die kleine Action-Maus. Mit den Jahren wurde aber auch sie ruhiger, und nebst ihren Spielanfällen hat sie stundenlange Kuschelstunden bei mir auf dem Sofa, auf dem Boden, am Küchentisch oder im Bett verbracht – wo auch immer, hauptsache bei mir.

Sie war in meinen besten und schlimmsten Stunden an meiner Seite. Wann immer ich Tränen vergoss, war Ronja zur Stelle, kuschelte sich an mich und beruhigte mich mit ihrem Schnurren und ihrer tröstenden Wärme. Sie hat mit mir gelacht und geweint, all meine Ups and Downs mitgemacht und mitgetragen.

Ronja findet immer Wege, mir unmissverständlich klar zu machen, was sie möchte. Das begann schon in den ersten Monaten bei uns und ist bis heute so. Sie erfand buchstäblich Zeichen und Gesten, um ihre Wünsche zu äussern. Oder sie kann einen durch die ganze Wohnung bewegen (zum Folgen auffordern), um einen dahin zu bekommen, wo sie es möchte. In der Schweiz war das z.B. der Balkon, weil ich sie immer dort gekämmt habe, was sie heiss liebt.

Wenn Ronja spielen will, kann sie sich hemmlungslos seitwärts auf die harten Fliessen platschen lassen, so dass man alle Knochen klacken hört. Es folgt ein herausfordernd-bittend-fixierender Blick in meine Augen, während sie mit allen vier Pfötchen ineinander strampelt. Die Aufforderung ist sonnenklar: «Spiel mit mir, bitte!»

Selbst beim wildesten Spiel passt Ronja immer auf meine Hände auf. Sie ist unglaublich schnell und geschickt, und ich hab höchst selten einen Kratzer abbekommen. Wenn es doch mal passiert, ist ihr das sichtlich unangenehm.

Ronja hat auch offiziell das Fangen in unserem Haushalt eingeführt. Mit provokativem Gesichtchen ging sie in Kauerstellung in die Startlöcher. Ich brauchte sie dann nur anzusprechen, und schon sauste der getigerte Kugelblitz einmal quer durch die Wohnung – das begeisterte Gesichtchen sprach Bände. An diesem Spiel fand auch Zorro Spass, und so jagten wir manchmal zu dritt durch meine vier Wände. Dabei gab es ab und an Beinahe-Kollisionen zwischen den beiden, was lustige Luftsprünge zwecks Ausweichmanöver zur Folge hatte. Bei Fangen hatten wir definitiv alle drei unseren Spass.

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Fein, wissend, weise und voller Liebe – das ist Ronja (Bild: www.helma-fotos.ch)

Die beiden waren durch ihre grosse Ähnlichkeit schwierig auseinanderzuhalten. Das auffälligste Merkmal waren die Augen. Zorro’s waren grün, die von Ronja gelb. Auch sonst gab es kleine Unterschiede, und ich wusste mit der Zeit sogar im Stockdunkeln, wen ich vor mir hatte.
Nur wenn sie schnell an mir vorbeisausten, hab ich sie bis zuletzt manchmal verwechselt.  🙂

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Erkundungstour auf der Terrasse

Sie haben sich gegenseitig die eine oder andere Idee abgeschaut. Zorro kopierte Ronjas Spiel-Ideen. Und Ronja übernahm nach Zorros Tod vor zwei Jahren dessen Ablecken meiner Hände.

Gelegentlich hab ich mit den beiden auch Trickspiele versucht. So konnten beide «Sitz», «Männchen» und ein kleiner Ansatz von «High-Five». Sie waren bei diesen Stunden mit grosser Begeisterung und Eifer dabei, leider nahm ich mir nicht oft genug die Zeit dafür.

Ronja hat mit mir sagenhafte 5 Umzüge mitgemacht und problemlos gemeistert, 4 davon mit Zorro.
Ich hab die beiden immer dafür bewundert, wie cool und tapfer sie Veränderungen mitgemacht und wie sie mich trotz allem geliebt haben.

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Ronja’s Gesichtchen spricht Bände: Schon wieder zügeln! Aber sie hat es jedes mal tapfer und mit Bravour gemeistert!

Mit den Jahren wurde Ronja immer verschmuster und Zorro vertrauensvoller. Er liebte es, rücklings auf meinem Schoss zu liegen und sich den Bauch und Kopf kraulen zu lassen. Er verschlief aber auch viel Zeit an seinen zurückgezogenen Stammplätzen im ruhigeren Zimmer, während Ronja wohl tausende Fernseh- und Plauderstunden am Telefon oder mit Freunden mit mir auf dem Sofa verbrachte.
Es wurde zu ihrem Markenzeichen, dass sie – kaum sitze ich irgendwo – in meiner Nähe ist. Sie steht auch total auf exzessives Ausschlafen und wenn sie könnte, würde sie vermutlich die ganzen Tage (und Nächte) auf unserem Bett verbringen.

Ich war und bin immer wieder fasziniert, wie mich die beiden – egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit ich nach Hause kam – an der Türe begrüssten. Sie wussten immer, dass ich eingetroffen bin. Und sie haben mich immer freudig begrüsst; egal wie lange ich weg war. Über meine ausgedehnteren Urlaube im Ausland waren sie zwar nicht begeistert, aber auch nie nachtragend! Egal, wie sehr mich der Abschied vom schönen Feriendomizil schmerzte, daheim wurde ich mit einer solch riesigen Begeisterung und Zuneigung empfangen (und für die nächsten paar Stunden auch nicht mehr aus den gelben und grünen Augen gelassen), dass das Heimkommen immer eine Freude war.

Leider hat uns Zorro im Herbst 2015 nach kurzer Krankheit recht plötzlich verlassen. Unser «Musketier-Team» war praktisch über Nacht um ein besonderes Mitglied ärmer und Ronja wurde auffallend still.
Durch meine langen Arbeitstage und Abende im Stall war sie weite Teile des Tages allein in meiner leeren Wohnung. Daher zog Anfang 2016 Minou bei uns ein. Zorro hat – genau wie Minou und Ronja – einen Ehrenplatz in unseren Herzen auf ewig.

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Der berühmte Röntgenblick

Ronja hat eine Art, einem in die Augen zu sehen, die durch Mark und Bein geht. Dieser Blick ist berührend und beängstigend zugleich. Es ist, als könnte sie direkt in unsere Herzen blicken. Sie sieht, versteht und weiss alles. In solchen Momenten wirkt sie fast überirdisch weise und allwissend.

Ronja’s neuste Eigenheit ist ihr Schranktick. Kein offener Schrank ist vor ihr sicher. Sie müssen alle inspiziert sein. Sie hat förmlich einen Riecher für offene Türchen und Türen entwickelt – wo auch immer sich ein Versteck öffnet, ist Ronja nicht weit. Und dies, obwohl sie seit einigen Monaten vermutlich komplett taub ist. Es ist uns ein Rätsel, wie sie trotzdem immer gleich mitbekommt, wenn sich irgendwo ein Sesam öffnet.   🙂

Mit dem Älterwerden kamen einige Beschwerden auf den kleinen Sonnenschein zu. Erst war es Asthma, danach Katzenschnupfen (vermutlich sind es eher Nasenpolypen). Und leider verlor sie auch ihr Gehör. Dies stellte mich vor die Herausforderung, anders mit ihr zu kommunizieren. Also haben wir anstelle unserer Schlüsselwörter Zeichen installiert, was sie trotz ihres Alters sehr schnell verstanden hat. Danebst achte ich viel mehr auf Blickkontakt und Berührungen, so dass sie sich der Zuwendung trotzdem bewusst ist. War eine kleine Umstellung, aber funktioniert wunderbar.  🙂

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Bett ergattert 🙂

Der Umzug nach Spanien war ein voller Erfolg für ihr Asthma. Es ist weitgehend verschwunden. Aber leider machen ihr die Nasenpolyen immer mehr zu schaffen. Es war auf jeden Fall richtig und wichtig, ihr die lange Fahrt (welche übrigens beide Katzen super gemeistert haben!) zuzumuten und sie trotz ihren 15 Jahren hierher mitzunehmen. Unser ruhiger Lebenswandel hier, der grosse Garten, die vielen Sonnenstunden und unsere häufige Anwesenheit sind ein grosses Glück für Ronja, welches täglich in ihrem Gesicht erstrahlt. Sie ist nochmals aufgeblüt und saugt das Leben in sich auf.

Obwohl sie sich mit Löwenherz und viel Lebensfreude an ihr Dasein klammert, wird ihre Kraft weniger. Sie wird ihre grosse Reise zu den Sternen vermutlich bald antreten. Doch bis es soweit ist, tankt sie noch ausgiebigst spanische Sonne, geniesst unseren Garten, lässt sich auf Händen tragen, verknuddeln, erbettelt sich Leckerchen und kuschelt bei uns im Bett. Sie ist unsere kleine Pinzessin, Räubertochter und Sonnenschein.

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Wenn ich Ronja in einem Satz beschreiben müsste, so wäre es folgender:
Ronja ist gestaltgewordene Liebe.

Wir sind unendlich dankbar, sie in unserem Leben zu haben!

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Friends forever

 

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