Es war ruhig in unserem Blog, aber es gibt uns noch!

Schon länger planen wir, Portraits von unseren vierbeinigen Begleitern zu erstellen und auch gelegentlich darüber zu berichten, ob und wie sie sich hier eingelebt haben. Immerhin war das auch eines der Themen, die uns in Zusammenhang mit dem Umzug am meisten beschäftigt haben.

Da vor allem die Samtpfoten bereits mitten im Lebensabend stehen, war mir viel daran gelegen, deren Portraits zu verfassen, solange sie noch unter uns sind, damit ich nicht in Vergangenheit schreiben muss.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_01 Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
(Bild: www.helma-fotos.ch)

Doch leider war ich zu langsam – oder das Schicksal schneller.

Unser Kater Minou hat am 22. Juni knapp 10jährig seine Reise zu den Sternen angetreten.
Weil er uns so fehlt, und weil er so eine besondere und liebenswerte Persönlichkeit war, möchten wir ihn trotzdem noch vorstellen. Er hat sich ein digitales Denkmal mehr als verdient…
Er hat uns so oft zum Lachen und Kopfschütteln gebracht. Seine kurze Zeit mit uns war mit so vielen (lustigen und weniger lustigen 🙂 ) Geschichten geprägt, dass wir euch diese nicht vorenthalten möchten.  🙂

Bevor Minou (aka Minouchala, Mr. Putzig, Pföteler, Bubi, Fluffer, Flying Minou, etc.) Anfang 2016 in mein Leben trat, hätte ich von mir gesagt: ich kenne Katzen und ich kann mit Katzen. Spontan hätte ich mich fast schon als Katzenprofi bezeichnet, da ich ja mehr als mein halbes Leben mit Katzen gelebt hatte und diese zu kennen glaubte. Wie soll ich sagen – ich weiss es inzwischen besser. Minou hat mir mindestens 1x am Tag unmissverständlich klargemacht, dass ich gar nichts weiss.

Das Leben mit Minou war wie Schachspiel für Fortgeschrittene. Minou ein Zug, wir ein Zug. Minou ein Zug, wir ein Zug. Und Minou war definitiv immer einen Zug voraus, auch wenn uns das nicht immer ganz klar war.  🙂

Das Spiel startete bereits an seinem ersten Tag bei uns. Da er sich ja ins gefestigte Leben meiner Seniorin Ronja (und mir) einfügen musste, zog ich vor seinem Einzug bei uns eine Verhaltenstierärztin zu Rate, wie man so eine Zusammenführung am besten angeht. Es wurde uns empfohlen, die Wohnung zweizuteilen und den Katzen jeweils eine Hälfte zuzuordnen für die ersten Tage, danach alle paar Tage die Seiten zu wechseln und dann später, nachdem sie genügend Zeit hatten, den Geruch und die Gegenwart des jeweils anderen aufzunehmen, vorsichtig eine erste persönliche Begegnung zu wagen.

Gesagt, getan. Wohnung mit Kartonkisten provisorisch zweigeteilt. Ein bisschen was hingestellt, denn meiner (grossen! *ironieaus*) Erfahrung nach reichte das locker aus, um Katzen daran zu hindern, das Hindernis zu passieren. Was bei meiner 13-jährigen sportlichen Ronja funktionierte, sollte beim 8-jährigen Franzosen mit Garfieldpostur und -temperament (er wog bei unserem Kennenlernen stolze 8,5 kg und schaute entsprechend aus der Wäsche: verträumt, treuherzig und desinteressiert) ja kein Problem sein.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_03-Kennenlernen Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
Kennenlernen im Maison des Chats (Ludocat) in Frankreich

Genau. Minou war keine 2 Stunden in «seinem» Bereich, da fand eine erste ungewollte Zusammenführung schon am ersten Abend statt!
Katzen wieder sortiert und Durchgang besser gesichert (sprich: mehr Karton gestapelt).
Kein Problem für Minou, Hindernis überwunden und Zusammenführung Nr. 2 über Ronja hereinbrechen lassen. Moppel-Minou hatte einen ganz schönen Willen. Und er wollte die Wohnung – die ganze.

Leicht ratlos und irritiert haben wir den Durchgang noch mehr gesichert, es kehrte Ruhe ein und wir sind erst mal ins Bett, uns ein wenig erholen von dem langen Tag (Fahrt nach Frankreich und zurück, Ankunft Minou, etc.)  🙂

Wie wir die Augen am nächsten Morgen öffneten, war immer noch paradiesische Ruhe im Haus. Na also, klappt ja wie am Schnürchen! Dachten wir. Ich bin also aus den Federn und wollte den Neuankömmling ausgiebig begrüssen und mit Frühstück beglücken. Durchgangssperre intakt, Ronja entspannt. Alles gut soweit. Ausser, dass Minou’s Bereich irgendwie leer war. Sehr leer. Also hab ich auf dem Balkon geschaut. Ist ja schön, wenn er den bereits entdeckt hat und geniesst, sagte ich mir. Aber dort war er auch nicht.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_04-Balkon-1 Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
Balanceakt auf dem Balkongeländer – für unseren Akrobaten kein Problem

Im ersten Moment dachte ich, ich spinne. Katzennetz intakt. Durchgangssperre intakt. Fenster geschlossen (und intakt 🙂 ). Minou musste also da noch irgendwo sein… Nachdem wir die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt hatten, stand fest: Minou war nicht mehr da. Keine 24 Stunden bei uns und schon der erste erfolgreiche Ausbruchsversuch! Super.

Also haben wir am frühen Sonntagmorgen das halbe Dorf abgeklappert und nach ihm gerufen – mit wenig Hoffnung auf Erfolg, da unsere Bindung zu ihm ja noch gleich null war. Mist.  🙁

Als wir schon aufgeben wollten, hörten wir in einem Abstellraum ein Geräusch und wurden dort schliesslich auch fündig. Und weil Monsieur Froncraisch so verfressen war, konnten wir ihn zum Glück recht einfach wieder einsammeln und nach Hause bringen. Phu, nochmal Glück gehabt!

Minou – Leçon 1–3: Unterschätze nie einen moppeligen, gemütlichen Franzosen mit weissen Pfötchen und Unschuldsgesicht!

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_05-Huesli Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
«Ich?! Ich doch nicht! Sowas würd ich NIE machen!»

Ein paar Tage später hat er uns dann auch verraten, wie er aus dem vermeintlich gesicherten Balkon entkommen konnte. Er hatte ein erstaunliches Talent, seine 8,5 kg auf der glitschigen, dünnen Metallstange des Balkongeländers zu balancieren. Er sprang dort rauf und lief und sass darauf rum, als hätte er festen Boden unter den Pfoten.

Schäfchen-Minou war ein kleiner Wolf im Schafspelz. Das wurde uns spätestens jetzt klar.

Auch die Integration mit Ronja fand in Minous (und definitiv nicht in Ronjas) Tempo statt. Wir waren einfach chancenlos. Wenn Minou was im Kopf hatte, setzte er es durch. Von seiner ersten bis zu seiner letzten Minute bei uns…

Er machte es uns nicht ganz einfach, Freunde zu werden. Minou war introvertiert und zog sich häufig in seine eigene Welt zurück. Er sah stundenlang aus dem Fenster. Ich sah ihn glaub ich mehr von hinten als von vorne während seiner Zeit bei uns. Streicheleinheiten liess er zwar über sich ergehen, aber wir waren uns lange nicht sicher, ob er es überhaupt mochte, oder nicht. Nach einer Weile fanden wir heraus, dass er zwar schnurrte. Aber so leise, dass man es mehr spüren als hören konnte.

Das einzige, was Minou immer aus seiner Reserve locken konnte, war Futter. Für Futter war er immer zu haben. Und er war immer hungrig. Und das tat er lautstark kund! Wenn lautstark nicht zum Ziel führte (tat es nie – immerhin bin ich ja «erfahrene» Katzenmama, hahaha), packte er ein unschlagbares Mittel aus: Mitleid. Er konnte unglaublich liebenswert und jämmerlich in allen Tonlagen miauen, wenn er Futter «brauchte».

Und wenn alles nicht (oder nicht schnell genug) funktionierte, zog er seine Zauberwaffe: Er schaute uns treuherzig in die Augen und hob langsam sein süsses weisses Pfötchen. Streckte es uns entgegen mit der eindeutigen Botschaft: «Gib es. Bitte.»

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Der Profi: Wer kann da noch «nein» sagen? (Bilder: www.helma-fotos.ch)

Minou hatte nicht das stabilste Nervenkostüm. Wenn dieses aus den Fugen geriet, hat er schon mal an Orten gepinkelt, wo kein Katzenpipi hingehörte (vorzugsweise aufs Bett). Auch seine «Freundschaft» mit Ronja blieb – zumindest von aussen betrachtet – immer etwas zerbrechlich. Zwischenzeitlich fragten wir uns, ob wir ihr und Minou wirklich einen Gefallen getan hatten, ihn herzuholen. Weil sich die beiden nicht besonders verstanden, war es recht schwierig, ihn wirklich in unserer Familie zu integrieren.

Aber mit der Zeit wurde es. Er hat uns vorsichtig sein Herz geöffnet und fand irgendwann grosse Freude daran, sich bei uns fest auf die Brust zu kuscheln und tief zu schlafen. In diesen Stunden war sein Gesichtchen voller Glück und Zufriedenheit.

Mr. Putzig konnte einfach überall schlafen. Und sah dabei so umwerfend lieb und treuherzig aus, als könnte er kein Wässerchen trüben (okay, konnte er auch nicht).

Ich hätte ihm stundenlang beim Schlafen zusehen können. Er lag da wie ein kleiner Unschuldsengel, und wenn ich ihn so sah, fragte ich mich immer wieder, ob ich es mir einbilde, oder er all den Schabernack tatsächlich angestellt hat, den wir mit ihm erlebten. Minou schlief überall, ausser in seinen zahlreichen Bettchen. Bevorzugt an Orten, wo eigentlich keine Katze hingehörte: die Spüle, der Glaskeramikherd, die Sofalehne, das Balkongeländer, das Treppengeländer, das Lavabo, die Stuhllehne, oder auch den Heiz-Tötztisch hier in Andalusien.

Bei einem Tierarztbesuch im Frühjahr 2016 sprach ich den Tierarzt auf das auffällige Trinkverhalten von Minou an. Eine Blutuntersuchung wurde gemacht und wir bekamen die Diagnose «Chronische Niereninsuffizienz» (CNI). Das bedeutete, dass Minous Nieren in kleinen Schritten ihren Dienst aufgeben und er irgendwann daran sterben würde. Ich bekam Tabletten für ihn und den Auftrag, ihn in einigen Monaten wieder für eine Blutbildkontrolle vorbeizubringen.

Bis zu unserer Abreise im November war er einigermassen stabil. Und seine CNI auf einem Niveau, wo es ihm – abgesehen vom vielen Trinken, Pinkeln und Schlafen – wirklich gut ging.

Minou hatte nebst Fenster-TV eine grosse Leidenschaft: Papier-Einkaufstüten! Er liebte es, sich darin zu verstecken, oder hinter einem Spielzeug her mit lautem Knall in die Tüte zu hechten! Minou plus Papiertüte war immer grosses Kino. Da blühte er auf und machte sein Kampfgewicht von 8,5 kg (die inzwischen langsam weniger wurden) vergessen.

Friends forever.. – or not?

Mit der Zeit war er figurmässig richtig sportlich unterwegs. Er war ein echter Athlet und ein sehr geschickter und schneller Kletterer und Springer. Wir nannten ihn «Flying Minou», weil er es durch meine ganze Wohnung schaffte, ohne 1x den Boden zu berühren – und dies in einem Affenzahn.

Er war echt grosses Kino. So oft lachten wir über seine Aktionen. Und dann lag er eine Viertelstunde später dermassen unschuldig und süss an seinem Lieblingsplatz, dass mir dazu nur ein Wort einfiel: er war das Gestalt-gewordene «putzig».

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_09-friends Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
Kuschel-Fluffer

Den Umzug nach Spanien meisterte Minou recht gut. Aber die erste Zeit war nicht leicht für ihn; wir mussten die Stubentiger die ersten paar Tage im Haus eingesperrt behalten, bis wir einen ausbruchsicheren (dachten wir) Auslauf im Garten erstellen konnten. Da wir aus Minous erfolgreichen Ausbruchsversuchen gelernt hatten, gaben wir uns beim Bau des Auslaufs grösste Mühe und nannten es Minou zu Ehren «Alcatraz».

Das Pfotentier liebte Alcatraz und erkor es sofort zu seinem neuen Zuhause. Nur wenn er sehr kalt hatte im Winter, verbrachte er seine Stunden im Haus, auf seinem Lehnstuhl, neben seinem Ofen. Wenn es irgendwie auszuhalten war, lag er draussen in seinem Körbchen und schaute in die Gegend. Ganz grosses Katzenkino, dank den unzähligen Vögeln und Insekten, welche sich in den zahlreichen Bäumen hier tummeln.

Minou hatte eine Schwäche: Schokolade! Ich fand das eher zufällig heraus, als ich mich nach einer kleinen Nascherei zu ihm beugte und ihn ansprach, und er sofort sein Bettelface aufsetzte und seine Nase unvermittelt in meinen Mund zu stecken drohte.  😀
Seiner Gesundheit zuliebe blieb Schokolade wohl der einzige Wunsch, den ich ihm nie erfüllte.
Dafür bekam er zu seinen Tabletten jeweils eine kleine Portion LeParfait.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_10-betteln02 Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
«Gib es. Bitteeee!» *liebguckundvorsichtigdanachgreif* (Bild links: www.helma-fotos.ch)

Kein Bereich im Haus war vor Minou wirklich sicher. Er war sehr willensstark, und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wollte er es – koste es, was es wolle. Dies kam und ging phasenweise. Eine zeitlang war es die Garage. Oder eben Alcatraz. Das Schlafzimmer. Oder das Treppengeländer (meine Nerven!). Er war dann durch nichts und niemand von seinem Plan abzubringen.

Kein Winkel war vor Minou sicher. Kein Schrank zu hoch, keine Fläche zu glitschig, kein Platz zu verboten. Minou nutzte sie alle.

Obwohl Minou so dickfellig und «laut» erscheinen konnte, war er im Grunde sehr sensibel und introvertiert. Bis zuletzt hab ich ihn kaum mal richtig schnurren gehört. Wenn etwas zu schnell ging, oder auch neue Situationen verunsicherten ihn sehr. Er war unser kleines Sensibelchen, auch wenn er es nie zugegeben hätte.

Im Frühling beschlossen wir dann, den Katzen den Weg in unseren Garten zu öffnen. Erste Erkundungsgänge machten wir mit Leine und Brustgeschirr, nicht dass einer als Erstes mal panisch wurde und irgendwo in einer Hecke oder auf dem höchsten Baum verschwand. Ronja nahms easy – Minou war eher unsicher und in einem Anfall von Panik sprang er in die Schwertlilien. Ich wusste es bis zu diesem Tage nicht, aber Schwertlilien können Katzen locker töten; deren Blütenstaub (übrigens auch der von anderen Lilien) ist hochgiftig.

Wir werden nie wissen, ob es am Stress des Umzugs lag, oder tatsächlich am Blütenstaub, aber in dieser Zeit ging es mit Minou gesundheitlich bergab. Er frass nicht mehr alles und nicht mehr so viel. Schlief mehr, war desinteressiert und nahm sichtbar ab.

So wurden wir beim Tierarzt vorstellig und aufgrund seiner schlechten Blutwerte und der Dehydration verbrachte er ein ganzes Wochenende an der Infusion in der Tierklinik. Wir bekamen zusätzliche Nierenmedikamente und am Montag einen frisch gestärkten, verschmusten Kater mit nach Hause.

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Besuch beim tapferen Patienten in der Clinica Veterinaria San Antón, Ronda

Ich hab Minou sich nie so sehr freuen sehen, als er uns sah, wie als wir ihn in der Klinik besuchten und am nächsten Tag abholten. Und auch wir waren sehr froh, den kleinen Rock’n’Roller wieder bei uns zu haben.

Die Medikamente und Pflegemassnahmen wurden mehr und mehr. Und Minou aufgrund der Anämie leicht verwirrt. Was er sich bis zum Schluss erhalten hat, war seine unglaubliche Willenskraft und seinen herzschmelzenden Betteltrick.

Wir hätten ihm für seine verbleibende Lebenszeit gerne noch Ausgang im Garten ermöglicht, aber handum war es einfach riskant, wenn er ausgebrochen wäre und stundenlang verschwunden wäre, mit den Medikamenten, dem Futter etc. … Also haben wir uns schweren Herzens dagegen entschieden.

Doch Minou wusste es besser. Nachdem er innerhalb von drei Tagen wohl 10x aus Alcatraz ausgebrochen war (soviel zum Thema «ausbruchsicher» – der Knast hatte, getreu seinem berühmten Vorbild, doch noch seine Lücken), gaben wir auf. In einer Wochenendaktion haben wir den Garten bestmöglich gesichert. Wobei, was ist schon sicher, wenn Minou involviert ist? Und Minou dann Freigang dorthin gewährt, welchen er leidenschaftlich ausgekostet hat. Ins Haus kam er nur noch, wenn wir ihn zur Medikation dorthin mitnahmen, und er verliess es nach erfolgter Behandlung auf dem schnellstmöglichen Weg wieder.

Also lebten wir (ganz gut) damit, dass er ebenfalls gut und zufrieden im Garten lebte.

Doch Minou hatte seine letzten Trümpfe noch nicht gespielt: wir suchten und fanden ihn kurz darauf an einem glühenden Sonnentag im Olivenfeld hinter dem Haus, und – kaum erfolgreich zurück in die «Arche Noah» geholt – verbrachte er weitere 30 Stunden im Garten der Nachbarn, welche ausgerechnet an dem Tag ausser Haus waren.

Dies war der Punkt, wo es klar wurde: Der kleine Mann war behandlungsmüde. Er hatte es satt. Er wollte einfach nicht mehr kämpfen. Schwersten Herzens respektierten wir dies und brachen sämtliche Medikationen ab. Wohlwissend, dass dies der erste Schritt zum Abschied war.

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Den Weg zu Nachbars Garten verriegelten wir erfolgreich, ebenso den Ausgang ins Olivenfeld.

Aber kurz darauf war Minou wieder verschwunden. Wir fanden ihn auf der Quartierstrasse wieder, doch kaum zuhause, suchte er sich den Weg in die Freiheit aufs Neue. Nach weiteren missglückten Versuchen verzichteten wir darauf, Minou nochmals in den heimischen Garten zu bringen. Er war immer noch weiter weg geflüchtet und hätte sich womöglich wieder in einem unzugänglichen Garten verkrochen.

Er hat dann das naheliegende Pärklein annektiert und dort Quartier bezogen. So wurde das Pärklein unser neuer Treffpunkt; wir haben ihm dort bis zu seinem Abschied mehrmals täglich Wasser und Leckereien hingebracht. Fleisch rührte er nicht mehr an und nach Hause konnte ihn nichts in der Welt mehr bewegen. Also haben wir im Petshop und im SuperSol die Regale mit den Leckereien leergekauft und sie in beachtlichen Mengen dem kleinen Schleckmäulchen verfüttert.

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So genoss Minou seine letzten Tage in «seinem» Park. Er schien zufrieden und stolz auf sein Strassenkater-Dasein zu sein. Freute sich aber auch immer über Besuch. Bis er dann eines frühen Morgens Ende Juni seine grosse Reise über den Regenbogen angetreten hat.

Selbstbestimmt und frei – wie er im Herzen immer gewesen war.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_14-abschied Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
Minous letzter Sonnenuntergang auf unserem Planeten

Im Haus ist es still geworden ohne ihn. Keiner droht mehr, uns beim Kochen Fleisch aus der heissen Bratpfanne zu stehlen. Keiner rennt mehr bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Schlafzimmer. Niemand verlangt mehr lautstark nach Futter. Und vor allem kuschelt auf dem Sofa keiner mehr auf meinen Bauch, haut mir die scharfen Krallen liebevoll in die Haut und schnurrt lautlos.

Für die Welt war er Monsieur Froncraisch. Einer von vielen.

Für uns war er Herzensbrecher, Rock’n’Roll, Flying Minou.
Einmalig. Schlau. Grossartig. Besonders. Herausfordernd und vor allem: liebenswert.

Gute Reise, Minou. Wir tragen dich in unseren Herzen.

Vierbeiniger-Begleiter-Minou_16-joe Unsere vierbeinigen Begleiter – Teil 1: Minou
(Bild: www.helma-fotos.ch)

 

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