Was bisher geschah: Nach einem guten aber kalten Start hatte ich in einem kleinen französischen Städtchen einen Unfall. Nach unzähligen Telefonaten mit verschiedenen Versicherungen klappt nun endlich der Transport meiner fahruntüchtigen Harley in die nächste Harley-Werkstatt. Hier geht’s zum Teil 1.

Die Fahrt nach Toulouse dauert eine Ewigkeit. Um die Maut zu sparen, fährt mein Fahrer auf der kurvigen Überlandstrasse. Jedes Schlagloch auf der Strasse löst bei meiner Harley den Diebstahlalarm aus. Natürlich hat die Alarmanlage einen Transportmodus… doch wer weiss schon auswendig, wie man den aktiviert…?!?

Das Navi zeigt die Ankunft um 11.30 Uhr an. Und bei jeder Kreuzung, bei der mein Fahrer nicht nach Navi fährt, wird die Ankunftszeit später. Ich muss aber unbedingt noch vor der Mittagspause in der Werkstatt sein. Ich rechne mir so viel höhere Chancen aus, dass mein Bike heute noch repariert wird. Wenn wir schon von der Höhe meiner Reparaturchance sprechen: Habe ich eigentlich erwähnt, dass mir gestern gesagt wurde, dass die Harley-Werkstatt für die nächsten 4 Wochen ausgebucht ist und keine neuen Aufträge mehr annimmt? 😬

Da es mit der emotionalen Bindung gestern am Telefon so gut geklappt hat, mache ich das auch mit dem Fahrer. Immer wieder erwähne ich, dass wir unbedingt noch vor dem Mittag dort sein müssen – wegen diesem und dem und wenn nicht, dann passiert Schreckliches…

Es klappt. 😃 Wir erreichen die Werkstatt knapp vor 12 Uhr. Beim Verabschieden von meinem Fahrer gibt er mir unmissverständlich zu verstehen, dass wir es nur geschafft haben rechtzeitig hier zu sein, weil er auf seine Znünipause verzichtet hat. Okay, angekommen…er hat ein fettes Trinkgeld verdient. 😃

Voller positiver Energie gehe ich zum Werkstattchef. Ich erkläre ihm meine Situation und dass ja bereits jemand von der Versicherung angerufen hat. Er zuckt nur mit den Schultern und sagt, dass er ja bereits der HOG Assistance gesagt hat, dass er bis November ausgebucht ist. Ich versuche ihn zu überzeugen, dass es ja nur ein kleiner Schaden ist und er es nur notdürftig reparieren muss. Einfach so, dass ich meine Reise weiterführen kann. Er wendet sofort ein, dass zuerst ein Versicherungsmensch den Schaden begutachten muss. Und bis der kommen kann, geht es ein paar Tage. Ich kontere, dass ich mit meiner Versicherung schon gesprochen habe und Fotos genügen. Ein Punkt für mich: Er geht zur meiner Harley und schaut sie sich an. 😃

Zurück hinter seinem Tresen sagt mir der Werkstattchef, dass er keine Ersatzteile da hat und die erst bestellen müsse. Und das geht ein paar Tage… Das fühlt sich an wie ein Schlag in meinen Magen. Ich bin in einer Harley-Werkstatt und die haben keine Teile an Lager? Ich hacke nach, was er denn für Teile benötigt… so gross ist der Schaden ja nicht. Es seien zwei Teile, die er ersetzen muss. Ich dränge in sanft, doch mal im Lager zu schauen, ob die beiden Teile vielleicht nicht doch da sind. Er macht es… und… beide Teile sind da! 😃 Er sagt das natürlich nicht überfreundlich, sondern leicht genervt.

Und schon kommt die nächste Ausrede: Er braucht zuerst eine Kostengutsprache der Versicherung. Okay… «Wie teuer ist denn die ganze Reparatur?», frage ich ihn. Er notiert alles fein säuberlich auf einem Fresszettel: Ein Ersatzteil kostet 54 Euro. Das zweite kostet 63 Euro. Und für die Arbeit rechnet er 2 Stunden ein. Also total 250 Euro. 250 Euro? Im Ernst? 250 Euro und 2 Stunden Arbeit halten mich von der Weiterfahrt auf? Ich sage ihm mit einem Hauch Verachtung und Arroganz, dass er mit der Arbeit loslegen könne und ich die 250 Euro bar bezahle. Das habe ich mit der Versicherung schon abgesprochen. Okay, das mit der Versicherung habe ich etwas besser dargestellt, als es wirklich ist. Die Versicherung hat mir ja klar gesagt, die ersten 1000 Franken muss ich selber bezahlen, bis sichergestellt ist, dass der Unfall nicht mein Verschulden war. Somit: Wer bezahlt – befiehlt!

Naja, so einfach sei das nicht, sagt mir der Werkstattchef. Wir hätten da noch das Problem mit meinem Kontrollschild. Er habe kein Kontrollschildhalter für die Grösse eines Schweizer Kontrollschildes. Und ohne Nummer könne ich ja nicht weiterfahren. Okay, das ist genau der Moment, wo man bereut, dass man die Pistole nicht auf die Packliste gesetzt hat. Alternativen müssen her: über den Tresen springen und ihn erwürgen? Ich entscheide mich für den Killer-Blick und sage: «Dann bohr ein verdammtes Loch in die scheiss Platte und schraub sie an das Bike!» 😡

Er ist sichtlich in die Enge getrieben. Er klammert sich noch an seinen einzigen kleinen Strohhalm: die Zeit. Kein Mechaniker hätte Zeit, alle sind beschäftigt. Und er müsse das Werkstatt-Telefon abnehmen, wenn es klingelt. Und sonst sei keiner da, der das machen könnte. Er schaut sich um, zuckt mit den Schultern… niemand da. Ich drehe mich um, schaue in den Bereich mit den Harley-Kleidern. Stehen dort nicht drei gelangweilte Verkäuferinnen rum? Hmmm… Ich glaube, er hat’s gemerkt. Er schaut auf die Uhr und sagt mir, dass sie jetzt Mittagspause machen und sie den Laden schliessen. Ich müsse jetzt gehen und solle nach dem Mittag – so um zwei Uhr – wieder kommen.

Als ich kurz nach der Mittagspause wieder in den Harley-Laden komme, ist der Werkstattchef nicht hinter seinem Tresen. Und das Telefon verwaist. Aber auch meine Harley steht nicht mehr vor der Werkstatttüre. Ich mache mich also auf die Suche und finde den Werkstattchef zuhinterst in der Werkstatt mit meiner Harley. Sie ist schon zerlegt und ich mache schnell ein paar Fotos für die Versicherung. Der Werkstattchef ist ganz freundlich und sagt, ich solle doch im Laden warten – in knapp zwei Stunden sei er fertig mit der Reparatur 😃

Mit-der-Harley-nach-Spanien-2-Die-Reparatur-Werkstatt Mit der Harley nach Spanien – Teil 2: Die Reparatur
Meine Harley Davidson in der Werkstatt

Nach zwei Stunden kommt der Werkstattchef – jetzt mit schwarzen Händen – zu mir und gibt mir die Schlüssel. Alles fertig und ich kann weiterfahren. Sogar das Kontrollschild konnte er ohne ein Loch zu bohren anbringen. Meine Wechselschildhalterung hat den Crash ohne Schaden überstanden. Das Kontrollschild hängt jetzt zwar etwas schief…aber was soll’s? Ich kann weiterfahren… 😃


Im dritten Teil: Geht die Fahrt jetzt wirklich problemlos weiter und welche Schwierigkeiten erwarten mich in den Pyrenäen?

 

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1 Kommentar auf "Mit der Harley nach Spanien – Teil 2: Die Reparatur"

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