Hüte dich vor deinen Wünschen – sie könnten wahr werden!

Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich zu meiner Pferdefreundin Bonita. Damit erfüllte sich mir doch etwas unverhofft ein Lebenstraum. Und ich lebe und feiere diesen seit über elf Jahren. 😃

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Mh, sie macht’s wieder… (Bild: photodream-sb.ch)

Kennengelernt haben wir uns, als Bonita frisch geschlüpft und ein paar zarte Stunden alt war. Sie ist die erstgeborene Tochter meiner damaligen Reitbeteiligung Pamina.

Bonita war vom ersten Tag an speziell. Sie ist freundlich und für vieles offen, insgeheim aber doch auch etwas introvertiert. Sie war schon immer eigenständig, charakterstark und sehr intelligent, und sie weiss, was sie will, und sie setzt es durch. In den ersten Lebensmonaten war es unmöglich, ihr ein Halfter anzuziehen oder Hufpflege zu machen. Sie war nicht eigentlich scheu – eher war es wohl Selbstschutz.

Sie hat ein gewisses Talent, sich in unmögliche Situationen zu manövrieren. Als Fohlen nahm sie im Übermut mehrfach den halben Stall und Reitplatz auseinander, wenn sie die «langweiligen» Lektionen ihrer Mutter ein wenig aufmischen wollte. Ein anderes Mal kletterte sie auf einen Holzstapel, der zwischen einem Lieferwagen und der Wand aufgeschichtet war. Mit viel Überredungskunst und Geduld hab ich sie da rückwärts wieder runterbekommen.

Sie war schon immer der Clown, der ein wenig Spass und Action in den Alltag bringt. Normal ist für die andern – Bonita hat immer wieder eigene Einfälle und Ansichten, und tut diese auch mehr oder weniger charmant kund.  😃

Auch gesundheitliche Zwischenfälle hatten wir so einige… die eine oder andere leichte Kolik, Augenentzündungen, Kreuzverschlag, zwei tiefe Hufabszesse, Hufrehe mit daraus resultierender Hufbeinrotation und Gelenksüberlastungen (Entzündungen), usw. Daher waren wir in den 11 Jahren öfters zu Fuss als im Sattel unterwegs und mit vielen Tierärzten fast schon befreundet.
Aber es hat uns auch zusammengeschweisst, und aus der Not haben wir meistens das Beste gemacht. So kann Bonita nun Füsse baden (Beine kühlen) in Plastikeimern, und wir sind ziemlich geübt im Wechseln und Instandhalten von Hufverbänden oder Reinigen von Wunden und Kratzern. Man lernt nie aus.  😉

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Füsse baden
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Fury – können wir! (Bild und Titelbild: helma-fotos.ch)

Manchmal geht ihr arabisches Temperament ein wenig mit ihr durch. Sie liebt es, zu laufen und zu posieren. Mit den Füssen den Boden kaum berührend hält sie die Nase in die Luft, schnorchelt und schnaubt wie ein Dinosaurier, um anschliessend bockend loszudonnern – schnell wie der Wind!

Aus dem Grund sind wir hier in Spanien auch mal Olivenbäume von ganz nahe inspizieren gegangen…

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Guckst du: Olivenbäume!

Bonita ist ein vertrauensvolles und weitgehend nervenstarkes Pferd. Nur Shetlandponies sind ihr nicht so geheuer. 😀 Sie lernt gerne und schnell, was mich, die Perfektionistin, oft ganz schön fordert. Langweilt sie sich, wird sie büffelig und triebig, oder klinkt sich einfach mal aus. Schafft man es aber, die Lektionen spannend zu gestalten, hat man mit Bonita eine sehr motivierte und leistungsbereite Freundin an seiner Seite. Traut man ihr etwas zu, wächst sie über sich hinaus.

Sie liebt vor allem Zirkuslektionen und Tricksachen sehr. Ihre Leidenschaft für Apportieren ist legendär; wann immer wir zum Putzplatz kommen, reicht sie mir ihr Halfter. Oder das Ende des Führstricks, wenn er mir runter fällt.
Sie apportiert auch öfter mal ungebeten ihre Putzkiste (und lässt sie krachend zu Boden donnern, wenn ich sie ihr nicht schnell genug abnehme – ich könnte schwören, dass sie dabei bis zu den Ohren grinst!), danebst helle Schabracken, schöne Pferdedecken sowie ihr Futterbecken. Oder sie schwenkt einem den halbvollen Wassereimer um die Beine, bis man garantiert nass ist. Sie wäre im Supermarkt das Kind, welches von seinem Sitz im Einkaufswagen aus sämtliche Regale leerräumt, wenn man nicht aufpasst. Umgekehrt schmeisst sie alles zu Boden, was sie nicht apportiert. Und scharrt anschliessend mit dem Vorderbein darin herum, was besonders bei Kleidern oder schönen Decken extrem erfreulich ist.  😃

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Sie kann Küsschen geben, Kompliment, Beine kreuzen («Tanzen»), aufs Podest steigen und Fussball spielen mit Füssen und Nase.

Ihre Spezialität ist ihr «Ich-war-das-nicht!–Unglaublich!–Wer-macht-denn-sowas?»-Blick, hell leuchtender Heiligenschein inklusive.
Wenn man mit ihr schimpft, schaut sie unbeteiligt-fragend in die Runde, wem die Schelte denn wohl gelten könnte.

Leider haben wir durch den Umzug von Setenil de las Bodegas nach Ronda das schöne Olivenbaum-Reitgebiet gegen viele Pflasterstrassen und verschlossene Tore eingetauscht. Zugegeben, den Faktor «Ausreitgebiet» haben wir hier in Ronda etwas über-/unterschätzt. Der Vorteil ist: es geht immer bergauf oder bergab, und die Wege gleichen den Wanderwegen in unserer alten Heimat. Die Pferde sind ganz schön gefordert und ihre Trittsicherheit hat sich enorm entwickelt. Der Nachteil: auf normalen Reitdistanzen finden sich praktisch keine Trab- oder Galoppstrecken mehr (für ein paar Anstandshüpfer reichts).

Um dieses Manko etwas auszugleichen und Bonita mehr auszulasten und zu fördern, habe ich im Herbst angefangen, mit ihr Reitunterricht bei unserem Pensionsgeber Juan zu nehmen. Auf Spanisch. Solange keine komplexeren Fragen auftauchen, geht das erstaunlich gut. Er hat eine Engelsgeduld und kann die Lektionen wirklich gut erklären. Schwieriger wirds, wenn mein Know-How nicht mehr ausreicht, oder in meinem Kopf das grosse Sprachsalat-Chaos entsteht… Dann bleibt manchmal einfach nur lachen, stoppen und nochmals ganz in Ruhe neu erklären und zu verstehen versuchen.  😃

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Aber es passt. Wir haben viel gelernt, und Bonita ist in diesen Stunden enorm leistungsbereit, obwohl sie körperlich recht gefordert ist. Es ist eindrücklich zu sehen und zu spüren, wie sie von Mal zu Mal Fortschritte macht und wie sie versteht und motiviert mitarbeitet.

Als Pferdemensch lernt man hier in Spanien ganz neue Themen und Herausforderungen kennen. Hier gibt es zwar nur wenige Bremsen, aber dafür die verhassten Hirschlausfliegen. Wobei wir dies nach meinem Unfall mit viel Kokosöl an der Schweifrübe sowie viel Insektenschutzmittel im Fell weitgehend in den Griff bekommen haben. Im Spätsommer wurden dann die Dasselfliegen aktiv, auch so ein unerfreuliches Thema. Diese kleben ihre Eier ins Pferdefell, bevorzugt an Stellen, wo diese vom Pferd dann mit den Zähnen weggekratzt und so ins Maul genommen werden. Im feuchtwarmen Klima des Pferdemauls schlüpfen dann die kleinen Dasselfliegen und verlassen den Körper erst nach Wochen wieder auf natürlichem Wege, oder durch entwurmen.
Nicht zu unterschätzen sind auch die stacheligen und trockenen Pflanzen hier. So hatte Bonita einmal ein «Loch» unter der Zunge, welches etwas eitrig wurde. Es gibt auch des öftern angelaufene Beine, weil man einen Minikratzer im Fell übersehen hat…

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Pferde – auch Hunde und Katzen – werden hier oftmals mit Hausmitteln oder menschlichen Medikamenten behandelt. So kommt es häufig vor, dass man vom Tierarzt ein Rezept bekommt und sich dann in der Apotheke die Medikamente abholen muss. Bei dicken Pferdebeinen wird beispielsweise Voltaren-Salbe empfohlen, oder Katzen müssen gigantische menschliche Antibiotika-Pillen schlucken.

Das Loch unter der Zunge wurde mit Salz(leckstein) und einem Gemisch aus Essig, Olivenöl und Salz behandelt. Mundspülung für Pferde auf Spanisch, heisst: Einen Stock mit einem Lappen umwickeln, Essig-Öl-Salz-Gemisch darüber leeren und dann Pferd darauf kauen lassen.
Sofern es denn kaut. Hier hat Bonita, die sonst alles ins Maul nimmt und darauf rumkaut, ausnahmsweise mal gestreikt. Es hat dann aber mit regelmässigem Salzsteinlecken auch gut abgeheilt.

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Sonnenuntergang in Ronda – immer aufs neue magisch!

Tiere und ihre Menschen haben ja oftmals gewisse Gemeinsamkeiten, die sich nicht leugnen lassen… so ist es nicht verwunderlich, dass meine schwarze Perle eine Vorliebe für Futter hat. Juan hat es gut auf den Punkt gebracht: Bonita denkt den ganzen Tag ans Futter. Und ich muss zugeben, mir geht es ähnlich!  😉

Für Futter macht Bonita fast alles. Es ist sicher mit ein Grund, dass sie gerne Tricksachen einstudiert und diese auch bereitwillig präsentiert. Die grösste Freude macht man ihr mit Chicoree oder mit einem Berg Heu in der Box.

Im Stall bei den Pferden vergesse ich regelmässig die Zeit. Es gibt nichts Schöneres, als den «Flow» und die vertraute Zweisamkeit mit einem Pferd zu erleben. Das Ruhige, Sanfte und Feinfühlige dieser so kraftvollen und wunderschönen Wesen fasziniert mich immer aufs neue! Das Gefühl, wenn ein Pferd zu deiner Anfrage positiv antwortet – wenn alles passt und sich dadurch kinderleicht, fast magisch anfühlt – dieses Gefühl macht süchtig.

Ich könnte nicht mehr ohne. Nicht ohne Pferde, und schon gar nicht ohne meine wundervolle Pferdefreundin Bonita!

Sie ist meine schwarze Perle. Meine Freundin und Lehrerin, und mein Kevin. Mit ihr wird es alles, ausser langweilig. Sie ist mein Fels in der Brandung, mein Knuddelbär, mein Schlingel, mein Diamant. Mein ein und alles.

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(Bild: photodream-sb.ch)

 


(Titelbild: helma-fotos.ch)


 

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