Dank dem Abkommen über die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, ist es für uns Schweizer viel einfacher, ins europäische Ausland auszuwandern. Das Recht auf die freie Wahl des Aufenthaltsortes ist aber nicht gleichbedeutend mit null Verwaltungsaufwand (obwohl das einige wohl so vermuten), denn bei der Wohnsitznahme (Residencia) in Spanien gilt es Formulare auszufüllen, Fristen einzuhalten und Rückschläge einzustecken.

Nach unserem 27-stündigen Roadtrip nach Spanien mussten wir am übernächsten Morgen gleich ins Rathaus (Ayuntamiento) von Ronda gehen. Denn unser Umzugsunternehmen brauchte für die Verzollung unseres Umzugsgutes eine Bestätigung des Einwohnermeldeamtes, dass wir unseren Wohnsitz neu in Ronda haben. Kurz nach Schalteröffnungszeiten standen wir im Rathaus und waren die ersten Kunden für diesen Tag. Wir hatten uns für den Schalter mit dem nett aussehenden Herrn entschieden und versuchten ihm auf englisch zu erklären, dass wir jetzt neu in Ronda leben und uns im Einwohnermelderegister (Padrón) eintragen möchten.

Leider sprach er kein englisch – und so haben wir uns mit Google Translator, Händen und Füssen verständigt. Zum Glück kam aber schon bald eine Kundin an den Schalter links von uns und fragte auf englisch, ob sie uns helfen und übersetzen kann. Dieses Angebot nahmen wir natürlich dankend an und mit der Hilfe von Mar, der Chefin der Sprachschule Entrelenguas in Ronda, ging unsere Anmeldung ruckzuck über die Bühne.

Die Anmeldung war eine simple Sache: wir mussten vor Ort ein Formular mit Namen und Adresse ausfüllen, unseren Pass zeigen sowie den Mietvertrag unseres neuen Zuhauses vorlegen. Und dann durften wir noch entscheiden, ob wir in Ronda und in Europa wählen wollen – klar, wollen wir. 😄

Das war der einfachere Teil.

Wenn man sich länger als drei Monate in Spanien aufhält, muss man sich zusätzlich noch bei der Policia Nacional ins Zentralregister für Ausländer eintragen. Diesen Schritt haben wir etwas vor uns hergeschoben. Denn bei unserer Internet-Recherche über diese Eintragung (Erhalt der Residencia), waren wir auf viele unterschiedliche und widersprüchliche Informationen gestossen. So war uns lange nicht klar, ob wir uns wirklich eintragen lassen mussten. Und wenn ja, welche Dokumente wir dazu benötigen. Das entsprechende Gesetz hat sich im Jahr 2012 verändert – auch darum schwirren im Netz viele Halb- und Unwahrheiten herum.

Der Ausländerschalter bei der Policia Nacional in Ronda ist nur vormittags kurz offen. Darum muss man früh hingehen, oder lange anstehen. Wir hatten uns für früh hingehen entschieden und unseren Nachbarn Udo als Übersetzer mitgenommen. Wir hatten ja im Rathaus gesehen, dass ein Übersetzer Gold wert ist. 😄

Der netten Dame am Schalter der Polizei erklärten wir, dass wir uns gerne ins Zentralregister der Ausländer eintragen lassen möchten, da wir die nächsten drei Jahre in Spanien leben wollen. Sie hörte uns kurz an aber winkte sofort ab: Nein, wir müssen uns nicht ins Zentralregister der Ausländer eintragen. Wir sollen doch einfach hier leben solange wir wollen. So ein Eintrag sei kompliziert und kostet Geld. Aaaaber… Nein, kein Aber. Ihre Meinung stand fest und wir mussten unverrichteter Dinge wieder gehen. Das haben wir uns irgendwie ganz anders vorgestellt…

Wir merkten aber bald, dass wir die grüne Karte, also das Zertifikat, welches bestätigt, dass wir im Zentralregister der Ausländer eingetragen sind, unbedingt brauchen. So konnten wir zum Beispiel keinen Handy-Vertrag abschliessen ohne die «Residencia». Und auch die Fahrzeugummeldung (wir brauchen spanische Kontrollschilder an unserem Skoda) geht nicht ohne die kleine grüne Karte. Also weiter ging’s: noch mehr googeln, informieren und Argumente sammeln. Damit wir das nächste Mal bei der Polizei nicht erneut abblitzen.

Ende Januar waren wir dann soweit und hatten alle benötigten Unterlagen beisammen. Das entsprechende Antragsformular hatten wir im Internet gefunden und bereits ausgefüllt. Da wir uns als «Nicht-Erwerbstätige» anmelden wollten, mussten wir nachweisen, dass wir hier in Spanien krankenversichert sind und wir über genügend finanzielle Mittel verfügen. Und genau da gehen die Meinungen auseinander – je nach dem, wer gerade am Schalter sitzt, wird etwas mehr oder etwas weniger Geld auf einem spanischen Bankkonto verlangt. So tönt es zumindest im Internet. Und vom offiziellen Spanien gibt’s keine Vorgaben.

Dieses Mal gingen wir ohne Übersetzer zum Schalter bei der Polizei – und auch etwas später. Das war ein grosser Fehler! Vor uns am Ausländerschalter wurde eine Frau bedient, die gerade eine Heerschar von Jugendlichen anmeldete. (Wahrscheinlich Jugendliche, die aus einem deutschen Jugendheim geflogen sind und nun hier in Spanien bei deutschsprachigen Pflegefamilien fremdplatziert wurden. Mit diesen Jugendlichen lässt sich hier übrigens viel Geld verdienen – und gratis arbeiten lassen kann man sie ja dann auch auf der Finca.)

Nach knapp einer Stunde Wartezeit waren wir endlich an der Reihe. Wir erklärten der Frau am Schalter (es war eine andere als letztes Mal!), was wir wollten und zeigten ihr alle unsere ausgefüllten Formulare und Dokumente. Sie war aber sichtlich überfordert mit der Menge an Dokumenten, die ich ihr gab. Denn irgendwo im Internet habe ich gelesen, dass man alles mit dreifacher Kopie mitnehmen muss. Dem ist also in Ronda nicht so. Nicht mal eine Kopie wollte die gute Frau haben. Und auch bei den finanziellen Mitteln auf dem spanischen Bankkonto war sie gnädig: Wir hatten nur gerade mal 7’600 Euro auf dem Konto. Aber anscheinend reicht das hier in Ronda. 😄

Dann wollte sie noch wissen ob wir schon bezahlt hätten. Nein, haben wir natürlich noch nicht. Ich nahm mein Portemonnaie hervor, doch die Frau am Schalter schüttelte den Kopf. Sie gab uns je ein weiteres Formular und sagte uns, dass wir mit diesem Gebührenformular zu einer Bank gehen und dort je 10.60 Euro einzahlen müssen. Okay, das kennen wir ja schon von der Beantragung der NIE. Anschliessend sollen wir wiederkommen mit unseren Formularen und Dokumenten.

Wir gingen also zur nächstgelegenen Bank und stellten uns dort in die Warteschlange. Als Schweizer kann man sich gar nicht vorstellen, wie eine spanische Bank funktioniert. Von zwei Schaltern war nur gerade einer offen. Jemand wurde gerade bedient und vor uns waren nur noch zwei Personen in der Schlange. Was denkt ihr, wie lange muss man da warten, bis man an der Reihe ist? Wir hatten eine geschlagene halbe Stunde gewartet, bis wir endlich an der Reihe waren! Unglaublich, so etwas! Aber es kommt noch besser: Nach mehreren Versuchen, die Gebührenformulare ins Banksystem einzuscannen, gab der junge Schaltermann auf und erklärte uns, dass heute wohl das System kaputt sei. Wir sollen doch einfach zu einer anderen Bank gehen.

Ich bin leider nicht der geduldigste Mensch, aber uns blieb nichts anderes übrig, als zur nächsten Bank zu gehen und dort anzustehen. Dort ging es zum Glück etwas flotter – wir mussten nur eine Viertelstunde warten. Also schnell die Gebühren bezahlen und zurück zum Ausländerschalter, um alle Formulare abzugeben und den Eintrag ins Zentralregister der Ausländer zu beantragen.

Guess what? Wir kamen genau fünf Minuten zu spät, der Schalter hatte um 11.30 Uhr geschlossen! Die Frau am Schalter war zwar noch da, aber wollte unter keinen Umständen unseren Fall noch behandeln. Wir sollten morgen wiederkommen. Manchmal staune ich echt über die spanische Pünktlichkeit.

Gesagt, getan. Wir standen also am nächsten Tag wieder am Ausländerschalter der Policia Nacional. Die selbe Schalterfrau wie gestern nahm unsere Formulare und Dokumente entgegen. Sie kontrollierte das eingezahlte Gebührenformular und warf nochmals einen Blick auf unsere Dokumente. Sie schien zufrieden zu sein mit unseren Angaben und druckte gleich vor unseren Augen das lang ersehnte Zertifikat über die Eintragung ins Zentralregister der Ausländer, aka grüne Karte, aka Residencia aus.

Endlich, ein weiterer wichtiger Task in unserem Auswanderungsprojekt ist abgehakt!

 

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